Railways of England and Wales

Vielen Dank an Fred Distribution für ein Rezensionsexemplar

Auf einen Blick:
Verlag : Eagle Games
Autor : Martin Wallace, Sean Brown, Keith Blume
Grafik : Paul Niemeyer
Spieleranzahl : 2-6 Spieler
Alter : ab 10 Jahren
Dauer : ca. 240 min.
Erscheinungsjahr : 2009

Art: Eisenbahnspiel / Wirtschaftssimulation


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Das Spielmaterial
1 Spielplan - 97 Karten - 10 Eisenbahnbaronekarten - 60 Aktien - 6 Gesellschaftstableaus - 6 Kursmarker - 1 Börsenplan - 1 Plan "Ausgegebene Aktien" - 1 Startspielermarker - 1 Spielregel (Englisch)

Anmerkung
"Railways of England and Wales" ist eine Erweiterung zu "Railways of the World" und ohne dieses Grundspiel nicht spielbar, da viele Komponenten aus dem Grundspiel benötigt werden.

England war die Wiege der Eisenbahn denn hier gab es die erste Eisenbahnverbindung der Welt zwischen Darlington und York, auf der dann auch die weltberühmte "Stephensons Rocket" fuhr. Wenn das Eisenbahnsystem Englands vielleicht auch nicht ganz so spektakulär wie das der USA war, wurde hier nicht nur technische sondern auch wirtschaftliche Pionierarbeit geleistet, da auch in England Aktiengesellschaften entstanden und durch die Erschließung Großbritanniens große Profite zu erzielen waren. Und genau als Eisenbahnpioniere in diesem Sinne dürfen die Spieler sich nun probieren.

Grundsätzlich steht die Möglichkeit zur Verfügung, das Spiel auf zwei Arten zu spielen: Einmal kann man das Spiel mit den Standardregeln des Grundspiels "Railways of the World" spielen und nur als Erweiterung nutzen, dann gibt es aber auch noch die Möglichkeit, ein Aktienspiel zu spielen, das andere Regel hat. Im Folgenden werden die Regeln für beide Spielarten getrennt wiedergegeben.

"Railways of England und Wales" als Erweiterung

Für das Erweiterungsspiel werden die Aktien, der Börsenplan, die Kursmarker und die Gesellschaftstableaus nicht benötigt. Aus dem Grundspiel werden alle Materialien benötigt, außer dem Spielplan und den Eisenbahnbaronekarten. Die Regeln bleiben gleich, aber abweichend von den Regeln von "Railways of the World" gilt Folgendes:
"Railways of England and Wales" als Aktienspiel

Für das Aktienspiel werden die Eisenbahnbaronekarten, die Betriebskarten, die Plättchen "Neue Stadt" und die Lokomotivkarten nicht benötigt. Jeder Spieler erhält 20.000 (bei 2 oder 3 Spielern 25.000 Dollar) Startkapital. Die Gesellschaftstableaus werden ausgelegt und 5 Aktien werden auf das Feld "Shares" gelegt und jeweils 5 auf das entsprechende Feld des Börsenplans. Entsprechend der angegebenen Startwerte werden die Börsenmarker der jeweiligen Gesellschaft auf den Startwert gestellt. Auf die Einkommensleiste kommt jeweils eine Lok jeder Gesellschaft.

Nach dem Aufbau folgt eine Vorbereitungsrunde: Es wird auf beliebige Art und Weise ein Startspieler ermittelt und dieser Spieler sucht nun eine Aktie vom Börsenplan aus und versteigert sie. Das Gebot für diese Gesellschaft muss mindestens dem Börsenkurs (noch der Startwert) der Aktie entsprechen. Wenn der Startspieler sein Gebot abgegeben hat, dann ist immer der nächste Spieler im Uhrzeigersinn, der entweder das vorherige Gebot erhöhen oder passen und somit aus der Auktion ausscheiden kann. Der letzte Spieler der übrig bleibt erhält die Aktie und muss sein Gebot in die Gesellschaft einzahlen (das Geld wird auf das Feld "money" gelegt). War der Anbieter der Aktie der Gewinner der Auktion, dann ist nun der nächste Spieler im Uhrzeigersinn der nächste Anbieter; ansonsten darf der Anbieter eine weitere Aktie versteigern. Ein Spieler kann auch darauf verzichten, eine Aktie anzubieten, allerdings verfällt für ihn diese Option dann während der gesamten Vorbereitungsphase. Das Versteigern der Aktien ist nämlich erst beendet, wenn alle Spieler gepasst haben, wenn sie als Anbieter an der Reihe waren, d.h. wenn kein Spieler mehr eine Aktie versteigern möchte. Der Spieler links neben dem Spieler, der zuletzte eine Aktie gekauft hat, erhält den Startspielermarker.

Danach verläuft das Spiel in Runden. Eine Runde besteht immer aus 4 Phasen, nämlich der Betriebs-, der Dividenden-, der Fusions- und der Aktienphase. Im Detail laufen diese 4 Phasen folgendermaßen ab:

1. Betriebsphase
Die Betriebsphase beginnt immer die Eisenbahngesellschaft mit dem aktuell höchsten Börsenkurs. Sie ist zuerst am Zug. Danach folgen die anderen Gesellschaften in absteigender Reihenfolge. Der Zug wird immer vom Direktor der Gesellschaft durchgeführt, was immer der Spieler mit den meisten Aktien der Gesellschaft ist (bei Gleichstand behält der alte Direktor so lange seinen Posten, bis ein anderer Spieler mehr Aktien erwirbt). Grundsätzlich kann der Direktor während der Betriebsphase jederzeit Aktien ausgeben. Sie werden dann vom Gesellschaftstableau genommen und auf das entsprechende Feld des Plans "Ausgegebene Aktien" gelegt. Die Gesellschaft erhält dafür sofort so viel Geld in die eigene Kasse, wie das dem Börsenkurs entspricht. Hat eine Gesellschaft keine Aktien mehr, kann der Direktor Anleihen aufnehmen, die 5000 Dollar für die Gesellschaft bringen, dafür aber auch Zinsen kosten. Geld ist wichtig, da der Direktor in der Betriebsphase jeder Runde die Möglichkeit hat, genau eine der drei folgenden Aktionen durchzuführen:
Nachdem eine Aktion durchgeführt wurde, erhält die Gesellschaft so viel Einkommen, wie dies der Position ihres Einkommensmarkers auf der Einkommensleiste entspricht. Danach wird der Marker wieder auf 0 zurückgestellt.
2. Dividendenphase
Auch hier ist die Reihenfolge der Gesellschaften wieder wie in der Betriebsphase. Zunächst müssen die Gesellschaften 1000 Dollar aus ihrem Kapital für jede aufgenommene Anleihe bezahlen. Evtl. muss hier eine weitere Anleihe aufgenommen werden. Dann entscheidet der Direktor der Gesellschaft, wieviel diese Gesellschaft an Dividende ausschütten will. Der Direktor kann alles Geld in der Gesellschaft zur Ausschüttung der Dividende verwenden. Dann wird diese Summe durch die Anzahl der Aktien im Besitz der Spieler und auf dem Börsenplan geteilt und dementsprechend jeder Spieler ausgezahlt. Das Geld für die Aktien auf dem Börsenplan kommt in die Bank. Danach wird ermittelt, wie sich der Börsenkurs der Gesellschaft entwickelt. Wurde gar keine Dividende ausgeschüttet, dann fällt der Kurs um 2. Ist die Dividende maximal so hoch, wie der Börsenkurs der Gesellschaft, dann fällt der Wert um 1. Ist die Dividende mindestens so hoch wie der Börsenkurs, dann steigt der Kurs um 1. Ist die Dividende mind. doppelt so hoch wie der Börsenkurs, dann steigt der Kurs um 2 usw.. Eine Gesellschaft, von der sich keine Aktien im Besitz der Spieler befinden, kann weder ihren Börsenkurs verändern noch eine andere Aktion durchführen.
Nachdem alle Gesellschaften an der Reihe waren, erhält jeder Spieler noch 5000 Dollar aus der Bank.

3. Fusionsphase
Hier sind die Gesellschaften in aufsteigender Reihenfolge (also vom niedrigsten zum höchsten Börsenkurs) an der Reihe. Gesellschaften, deren Eisenbahnnetze zusammenhängen, können nun versuchen, zu fusionieren. Dazu muss der Direktor der aktiven Gesellschaft eine Fusion mit einer verbundenen Gesellschaft vorschlagen. Jetzt haben die Aktionäre das Wort. Zunächst muss der Direktor der aktiven Gesellschaft seine Aktionäre befragen. Dazu wird abgestimmt: Jeder Spieler hat pro Aktie der Gesellschaft eine Stimme. Gleichstände werden durch den Direktor entschieden. Wenn sich ein positives Votum ergibt, sind nun die Gesellschafter der Zielgesellschaft an der Reihe, die nach den gleichen Regeln eine Abstimmung durchführen. Ergibt sich auch hier ein positives Votum, dann erfolgt nun die Fusion: Die aktive Gesellschaft muss jeder im Umlauf befindlich Aktie (bei Spielern oder auf dem Börsenplan) zum aktuellen Börsenkurs plus 1000 Dollar kaufen. Das Geld erhalten die Spieler oder die Bank. Die aktive Gesellschaft darf zum Kauf Aktien ausgeben. Danach werden alle Lokomotiven auf Verbindungen der aufgelösten Gesellschaft durch solche der aktiven Gesellschaft ausgetauscht. Die aufgelöste Gesellschaft wird wieder so aufgebaut, wie zu Beginn des Spieles und kann ab sofort wieder als neue Gesellschaft ins Spiel gebracht werden.
4. Aktienphase
Diese Phase beginnt beim Spieler mit dem Startspielermarker und geht dann im Uhrzeigersinn weiter. Wenn ein Spieler an der Reihe ist, dann kann er eine Aktie vom Börsenplan oder vom Plan "Ausgegebene Aktien" zum Verkauf anbieten, wobei die gleichen Regeln wie in der Vorbereitungsphase (s.o.) gelten. Das Geld für Aktien vom Börsenplan kommt in die Gesellschaft, das Geld für Aktien vom Plan "Ausgegebene Aktien" in die Bank. Die Phase endet wieder, wenn kein Spieler mehr eine Aktie zum Verkauf anbieten möchte. Der Spieler links von dem Spieler, der die letzte Auktion gewinnt, erhält dann wieder den Startspielermarker.

Das Spiel endet,
nachdem insgesamt in 16 Städten keine Warenwürfel mehr liegen. Alternativ dazu können die Spieler aber auch die Spielendbedigungen aus dem Erweiterungsspiel übernehmen. Die Runde wird aber noch zu Ende gespielt. Hat eine Gesellschaft am Ende eines Spiels noch eine oder mehrere Anleihen, dann wird pro Anleihe der Börsenkurs um 1 Punkt reduziert. Danach tauschen die Spieler ihre Aktien gegen Bargeld ein (jede Aktie zum aktuellen Börsenkurs) und zählen ihr Geld. Der Spieler mit dem meisten Geld hat das Spiel gewonnen.

    (Troudi 08.11.2009)

Weitere Infos:
- Die Homepage von Fred Distribution

Troudi vergibt 9 von 10 Punkten:
Alleine als Erweiterungsspiel ist "Railways of England and Wales" schon wirklich gut: Auf dem Plan sind wesentlich mehr Bahnhöfe als auf dem Nordamerika-Plan aus dem Grundspiel und gerade mit 2 oder 3 Spielern kommt das Spiel so deutlich schneller in Fahrt, als das bisher der Fall war. Das lohnt sich schon mal auf jeden Fall. Allerdings wird es noch Mal besser: Das Aktienspiel ist ein 18xx-light (Bsp. für ein "18xx" einmal hier klicken) und dadurch eine beinharte Eisenbahnwirtschaftssimulation. Dabei gilt es, das Potential der einzelnen Gesellschaften gut einzuschätzen und als Direktor so zu agieren, dass man selber einen möglichst großen Profit aus der eigenen Gesellschaft zieht. Dabei sollte man darauf achten, dass man möglichst viele Aktien der Eisenbahngesellschaft selber besitzt und die anderen Spieler möglichst wenig. Das funktioniert meist so einfach aber nicht, deswegen kommt es auf die "Mischkalkulation" an, d.h. man sollte von verschiedenen lukrativen Gesellschaften Aktien besitzen und am Ende des Spiels so wertvolle Aktien in Bargeld umwandeln können. Besonders reizvoll ist in "Railways of England and Wales" die Fusion: Ein geschickter Direktor kann hier zwei eigene Gesellschaften unter einen Deckel bringen, von denen z.B. eine keine großen Möglichkeiten mehr hat oder nachdem man das gesamte Kapital dieser Gesellschaft in Form von Dividenden ausgeschüttet hat. Insgesamt Klasse, zumal auch dieses Aktienspiel schon mit 2 oder 3 Spielern Spaß macht und so in unseren Testpartien fast immer alle 6 Gesellschaften ins Spiel kamen. Der Zusatznutzen ist übrigens, dass das Material des Aktienspiels auch auf das Grundspiel und die alte "Railroad Tycoon"-Erweiterung "Rails of Europe" passt und man diese Karten dementsprechend auch als Aktienspiel spielen kann. Wirklich mal eine Erweiterung, die sich voll lohnt. Leider gibt es "Railways of England and Wales" bisher nur bei Amazon für ca. 30 Euro. Auf den Internationalen Spieltagen in Essen 2010 wird das Spiel wohl aber auch wieder am Stand von Fred Distribution, Halle 10 Stand 53, erhältlich.

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