Trajan

Vielen Dank an Ammonit für ein Rezensionsexemplar

Auf einen Blick:
Verlag : Ammonit
Autor : Stefan Feld
Grafik : Jo Hartwig
Spielanzahl : 2 bis 4 Spieler
Alter : ab 12 Jahren
Dauer :ca. 30 min / Spieler
Erscheinungsjahr 2011

Spielart: Aufbauspiel

Auszeichnungen:
Deutscher Spielepreis 2012 (Platz 2)
IGA Multiplayer Nominierungsliste 2012
Niederländischer Spielepreis 2013 Experts Nominierungsliste

ZUR HAUPTSEITE
Trajan von Ammonit Spiele

Das Spielmaterial
1 Spielplan - 60 Spielfiguren - 4 Feldherren - 8 Scheiben - 4 Ablagetableaus - 4 Trajansbögen - 48 Aktionssteine - 1 Zeitstein - 60 Warenkarten - 54 Trajanplättchen - 70 Forumplättchen - 12 Zusatzaktionsplättchen - 20 Bauplättchen - 24 "+2"-Plättchen - 15 Bedarfsplättchen - 3 Schiffsplättchen - 12 Bonustafeln - 4 Quartalsanzeiger - je 1 Spielanleitung in Deutsch / Englisch

Ziel des Spieles ist es durch unterschiedlichste Aktionen im römischen Reich möglichst viele Punkte zu sammeln.

Zu Beginn des Spieles erhält jeder Spieler ein Ablagetableau, sowie Spielfiguren und Marker in seiner Wunschfarbe. Das Spielbrett, welches in die Tischmitte gelegt wird, ist in sechs Bereiche aufgeteilt. Ein Bereich zeigt Provinzen, in die jeweils zufällig offen ein Forumplättchen gelegt wird, sowie ein Feldlager in das jeder Spieler zwei Spielfiguren und den Feldherrn plaziert. Hier können die Spieler Siegpunkte sammeln und Plättchen erhalten, die später im Spiel zum Beispiel zusätzliche Aktionen ermöglichen oder andere Aktionen erleichtern. Im Hafen werden drei Schiffe plaziert. Hier kann der Spieler später Waren verkaufen. Im Baubereich werden alle 24 Felder mit offenen Bauplättchen belegt. Diese sorgen für zusätzliche Aktionen und für Siegpunkte am Ende des Spieles. Hier gibt es auch ein Arbeitslager, in das jeder Spieler eine Spielfigur plaziert. Im Bereich des Trajansbogens werden sechs Arten an sogenannten Trajanplättchen in offenen Nachziehstapeln bereit gelegt. Durch den Einsatz von diesen Trajanplättchen gelangt der Spieler an Sonderaktionen und an zusätzliche Siegpunkte. Im Forumsbereich werden, wie in den Provinzen, 15 weitere Forumsplättchen plaziert. Und in den Senat werden offen zwei Gesetzestafeln ausgelegt. Durch die Gesetzestafeln kann man am Spielende noch zu weiteren Siegpunkten kommen. Ein Marker jedes Spielers zeigt die Anzahl der Stimmen im Senat an, die zu Beginn des Spieles bei Null liegt. Mit dem zweiten Marker des Spielers werden die aktuellen Siegpunkte auf der Kramerleiste festgehalten. Außerdem wird nun ein sogenannter Zeitstein auf die in Abhängigkeit der Spieleranzahl unterschiedlich lange Zeitleiste gestellt. Die Warenkarten werden gut gemischt und bilden einen verdeckten Nachziehstapel. Zwei Warenkarten werden offen neben den Nachziehstapel gelegt. Außerdem erhält noch jeder Spieler zwölf Aktionssteine, je zwei in sechs Farben, die er beliebig auf seinem Aktionskreis auf dem Spielertableau verteilt, so dass in jeder der sechs kreisförmig angeordneten Mulden genau zwei Aktionssteine gelegt werden. An jeder Mulde angrenzend befindet sich ein Ablagefeld für Trajan-Plättchen. Auf Feld Nummer 1 setzt jeder Spieler einen Trajansbogen. Die Felder 2 bis 4 belegt jeder Spieler mit Trajanplättchen, die man sich der Reihe nach von den Nachziehstapeln vom Spielbrett nimmt. Desweiteren nimmt sich noch jeder Spieler 3 Warenkarten vom Nachziehstapel auf die Hand und eine zufällige Gesetzeskarte wird mit der gelben Vorderseite in die eigene Auslage gelegt.

Gespielt wird reihum über vier Quartale, wobei jedes Quartal vier Runden andauert. Der aktive Spieler beginnt seinen Zug damit, dass er die Aktionssteine auf seinem Tableau umverteilt. Dazu nimmt er alle Steine aus einer Mulde in seine Hand und verteilt diese Aktionssteine so, dass reihum in die Folgemulden genau ein Aktionsstein ablegt wird. Der Zeitstein wird um so viele Felder nach vorn bewegt, wie Aktionssteine in der Ursprunsmulde waren. Die Mulde in der der letzte Aktionsstein gelegt worden ist, wird Zielmulde genannt. Liegt an dieser ein Trajanplättchen und liegen nun in der Zielmulde mindestens die Aktionssteine die auf dem angrenzenden Trajanplättchen abgebildet sind, wird zunächst die Aktion des Plättchens ausgeführt. Der Spieler erhält hierdurch Siegpunkte, kann Spielfiguren in Feldlager oder ins Arbeiterlager schicken, zusätzliche Warenkarten aufnehmen, einen Bedarf des Volkes stillen oder eine zusätzliche Bonusaktion ausführen. Da jeder der sechs Mulden genau einer festgelegte Aktion zugeordnet ist, kann der Spieler nun die Aktion der Zielmulde ausführen. Folgende sechs Aktionen gibt es:
Hafen: Im Hafen liegen drei Schiffe aus. Hier kann der Spieler an neue Wartenkarten kommen, indem er zwei Karten vom verdeckten Nachziehstapel nachzieht und davon eine Karte behält oder eine offene Karte nachzieht. Er kann auch bis zu zwei Handkarten in seine Auslage ablegen und die  gleiche Anzahl an Karten vom verdeckten Nachziehstapel auf die Hand nehmen. Oder er verkauft Waren, indem er bis zu vier gleiche Karten, bis zu vier unterschiedliche Karten oder bis zu drei unterschiedlichen Kartenpärchen an ein Schiff verkauft. Dafür erhält er die auf dem Schiff angegebene Siegpunktzahl. Lag ein Schiff vor dem Verkauf auf der bunten Seite, wird es auf die graue Seite gedreht, die bei nachfolgenden Verkäufen den Spielern etwas weniger Punkte bietet. Auch verkaufte Waren werden in die offene eigene Spielerauslage gelegt.
Forum: Hier nimmt der Spieler sich eines der noch ausliegenden Plättchen und legt es zunächst auf die entsprechende Stelle seines Tableaus. Mit Hilfe dieses Plättchens kann der Spieler zusätzliche Aktionen ausführen, den Bedarf des Volkes stillen, an zusätzliche Waren kommen oder an mögliche Stimmen für den Senat gelangen.
Militär: Der Spieler hat hier die Möglichkeit eine Spielfigur ins Feldlager zu schicken oder eine Spielfigur die bereits im Feldlager verweilt in die Provinz zu senden, in der sich der Feldherr gerade befindet. In jeder Provinz kann jeder Spieler nur genau eine Spielfigur schicken. Hierfür erhält der Spieler die Punkte die in dieser Provinz angegeben sind. Befindet sich dort bereits eine Spielfigur eines anderen Spielers, so erhält er drei Punkte weniger als angegeben. Als dritte Alternative kann man den Feldherrn, der sich ja zu Spielbeginn noch im Feldlager aufhält in eine angrenzende Provinz senden. Liegt in dieser Provinz ein Forumsplättchen legt der aktive Spieler es wie oben beschrieben auf sein Spielertableau.
Trajansbogen: Bei dieser Aktion wählt der Spieler sich eines der auf dem Spielplan offenliegenden Trajansplättchen aus und legt es auf das Feld seines Tableaus auf dem gerade der Trajansbogen steht. Der Trajansbogen wird auf das im Uhrzeigersinn nächste freie Trajansfeld gestellt.
Senat: Der Spieler rückt seinen Marker im Senat um ein Feld nach vorne. Liegen auf diesem Feld bereits Marker anderer Spieler, so legt er den eigenen Marker oben auf diese Marker. Er erhält sofort die an diesem Feld angegebenen Siegpunkte.
Bauen: Der Spieler hat hier die Möglichkeit eine seine Spielfiguren in das Arbeiterlager zu setzen oder eine bereits im Lager vorhandene Spielfigur zum Bauplatz zu senden. Die erste Figur die zum Bauplatz geschickt wird kann auf ein beliebiges Feld gesetzt werden. Der Spieler nimmt sich das dort liegende Plättchen, erhält die darauf angegebenen Siegpunkte und legt das Plättchen auf das entsprechende Feld auf seinem Tableau. Legt der Spieler zum ersten mal ein Plättchen dieser Art auf sein Tableau, kann er nun sofort die dazugehörige Aktion ausführen. Es gibt fünf verschiedene Arten an Bauplättchen, jeder Art ist genau eine der hier angegebenen Aktionen, außer der Bauaktion selber zugeordnet. Hat der Spieler bereits schon eine Figur zum Bauplatz geschickt, muss jede weitere Figur einen Bauplatz einnehmen, der an einer eigenen Figur orthogonal angrenzt. Es ist erlaubt auch Spielfiguren auf Felder zu stellen, auf denen sich gegnerische Spielsteine befinden, um sich daduch bessere Bauplätze zu verschaffen. Eine Figur die auf ein mit einer gegenerischen Figur belegtes Feld gesetzt wird, bringt weder Siegpunkte noch Bauplättchen.
Hat ein Spieler eine Aktion ausgeführt, so kann er, sofern er ein passendes Aktionsplättchen für die gerade ausgeführte Aktion hat, die gleiche Aktion ein weiteres mal durchführen. Das gerade genutzte Aktionsplättchen kommt aus dem Spiel. Sollte an dieser gerade genutzen Aktion ein "+2"-Plättchen liegen, so darf er diese Aktion sogar noch ein zweites weiteres mal durchführen.
Danach ist der nächste Spieler an der Reihe.

Zu Beginn einer Aktion wird der Zeitstein bewegt. Erreicht oder überschreitet der Zeitstein erneut das Startfeld der Zeitleiste endet eine Runde. Am Ende der jeweils ersten drei Runden wird ein sogenanntes Bedarfsplättchen des Volkes aufgedeckt. Nach dem Ende der vierten Runde und somit dem Ende eines Quartals, muss jeder Spieler den Bedarf, der ja nun aus drei Plättchen besteht, abdecken. Dieses kann dadurch geschehen indem der Spieler gesammelte, passende Bedarfsplättchen abgibt. Auch erspielte Trajanplättchen können den Bedarf decken, diese bleiben dem Spieler aber erhalten. Kann ein Spieler den Bedarf eines Quartals nicht erfüllen, muss er Siegpunkte abgeben.
Außerdem werden am Quartalsende die Machtverhältnisse im Senat ausgewertet. Der Spieler der die meisten Stimmen in Summe durch die Position im Senat aber auch durch Stimmplättchen aufweisen kann, darf sich eines der beiden Bonustafeln nehmen und auf die Vorderseite in seine eigene Auslage legen. Der Spieler mit den zweitmeisten Stimmen erhält automatisch die zweite Bonustafel, die auf die Rückseite (grau) gedreht wird und am Spielende in der Regel etwas weniger Siegpunkte einbringt.
Alle Plättchen die für den Bedarf und für den Senat eingesetzt wurden kommen aus dem Spiel. Auch die Plättchen im Forum auf dem Spielplan werden entfernt. Danach wird das Forum wie zu Spielbeginn aufgefüllt und auch alle Provinzen in denen sich keine Spielfiguren und keine Feldherren aufhalten erhalten ein neues Forumsplättchen. Alle Schiffe, sofern notwendig, werden auf die bunte, mehr punktebringende Seite gelegt und das nächste Quartal kann beginnen.
Es wird weiterhin reihum gespielt, dass heisst der Spieler links von dem Spieler, der eine Runde beendet hat, eröffnet die nächste Runde.

Das Spiel endet nach dem Ende des vierten Quartals. Nun folgt noch eine Schlusswertung. Jeder Spieler erhält für jede Warenkarte auf der Hand und für jede Spielfigur in den beiden Lagern jeweils einen Siegpunkt. Für jeweils 3 bzw. 4 gleiche Bauplättchen die der Spieler vom Bauplatz erspielen konnte, bekommt er noch 10 bzw. 20 Siegpunkte. Zum Schluss erhalten die Spieler noch Punkte für die Bonusplättchen. Im Spiel gibt es insgesamt zwölf unterschiedliche Bunusplättchen. Sie bringen Extrapunkte durch vorgegebene Waren die man ausgelegt hat, Bedarfsplättchen die man nicht einsetzten musste, Spielfiguren die man in Provinzen oder auf den Bauplatz geschickt hat, aber auch für gesammelte Bonusplättchen.

Es gewinnt der Spieler, der nach der Schlusswertung insgesamt die meisten Siegpunkte sammeln konnte.

(Superfred 15.10.11)

Weitere Infos:
- Die Homepage von Ammonit Spiele
- Die Homepage von Stefan Feld

Superfred vergibt 9 von 10 Punkten:
Trajan ist ein hochinteressantes Aufbau- und Optimierungsspiel, welches von einer Vielzahl von perfekt verzahnten Aktionsmöglichkeiten lebt. Das als Spielthema das römische Reich gewählt worden ist, gerät dabei völlig zur Nebensache. Die Spielanleitung ist mit 12 Seiten auf den ersten Blick recht umfangreich, erklärt aber die unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten sehr gut. Das Spielmaterial ist ansprechend und auch der Spielplan ist sehr schön und übersichtlich gestaltet. Höhepunkt des Spieles ist klar das Aktionsrad, dessen Prinzip sich Stefan Feld von dem afrikanischen Bohnenspiel, auch Kalaha genannt, abgeschaut hat. Auf jedem Spielertableau befinden sich sechs kreisförmig angeordnete Mulden. Zu Spielbeginn liegen in jeder Mulde zwei Steine. Der Spieler nimmt sich zu Beginn seines Zuges aus einer Mulde alle Steine und legt dann reihum im Uhrzeigersinn jeweils einen Stein in die nachfolgenden Mulden. Die Mulde die den letzten Stein aufnimmt gibt an welche Aktion der Spieler ausführen darf, da jeder Mulde genau eine Aktion zugeordnet ist. Aufgrund der sich immer ändernden Anzahl der Spielsteine in den einzelnen Mulden sind nicht immer alle Aktionen sofort erreichbar und dies erfordert eine weite Vorausplanung. Der andere Clou am Aktionsrad ist, dass die Steine in den Mulden farbig sind und als weitere Ebene noch die Trajanplättchen erfüllen müssen bzw können. Insgesamt gibt es sechs Farben; schafft es ein Spieler in seiner Zielmulde unter anderem die beiden Farbsteine liegen zu haben, die auch auf dem angrenzenden Trajanplättchen abgebildet sind, so darf er vor seiner Aktion das Trajanplättchen spielen. Er erhält also zusätzliche Siegpunkte und/oder eine zusätzliche Aktion. Dies alles bedeutet fast schon ein wenig Gehirnjogging, da man eine Vielzahl an Variablen beachten muss, die Einfluss auf die Auswahl der Aktion, der aktuellen, aber auch der folgenden Züge beinhaltet. Und hat man sich dann letztendlich für eine Aktion entschieden, kann diese dann auf dem Spielbrett natürlich oft auf unterschiedliche Arten umgesetzt werden. Auch wenn das Aktionsrad von allen Spielen hoch gelobt wurde, hat es aber auch für Frustration gesorgt, da einige Spieler es nicht so richtig hinbekommen haben, die Aktionssteine so zu steuern, dass auch die gewünschten Aktionsfolgen dabei resultierten. Dieses lag aber auch oft daran, dass man sich einfach zu viel vorgenommen hatte, oder sich die Situation auf dem Spielbrett geändert hat und nicht mehr der gespielte Zug wie geplant optimal umsetzbar war. Hier sollte man sich als Spieler beim Kennenlernen des Spieles einfach nicht zu viel aufhalsen, sondern sich wirklich ruhig langsam an den - ich kann mich da nur wiederholen - wirklich genialen Aktionsrad-Mechanismus heranarbeiten. Der Rest des Spieles ist das schon ein fast gewohnter "Feld". An den unterschiedlichen Schauplätzen des Spieles kann man durch eine Vielzahl mal mehr, mal weniger Siegpunkte holen. Man muss einfach nur mit seinem Aktionsrad die richtigen Aktionen auswählen können. Auch wenn einige Spieler Trajan am Anfang eher als Arbeit, weniger als Spiel angesehen haben, konnte es begeistern. Erneut hat es Stefan Feld geschafft, aus einer Vielzahl an Komponenten, die man bereits aus anderen Spielen von ihm kennt, kombiniert mit neuen Mechanismen ein rundes, unterhaltsames aber auch grüblerisches Spiel, welches immer wieder ein wenig anders läuft, zu kreieren, das man jedem Spieler, der anspruchvolle Spiele mag, klar empfehlen kann. Auf der Spielemesse in Essen wird das Spiel am Stand von Ammonit (9-64) für 39 Euro erhältlich sein. Nach der Messe werden Huch & friends den Vertrieb von diesem tollen Spiel übernehmen.

Fragen zu Trajan? Schickt uns eine mail.